Hochgefühltes

Hört Ihr, wie der Wind flüstert?

Wie er durch die Dünen raschelt

und die Sandkörner zum Tanz bittet?

Seht Ihr ihn tanzen?

Sehr Ihr, wie er den Gräsern durch die Haare rauft

und scheinbar nur zufällig

der Möwe die Federn zerzaust?

Er flirtet – schaut hin! –

mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Heiße Blicke, errötende Küsse …

Wie sie sich umschmeicheln

streicheln

verschmelzen,

um dann

mit einem letzten Kichern

und einem sanften Glühen

gemeinsam

im Bett zu verschwinden.

 

Stille.

 

Mein Atem

ist jetzt aller Wind.

Und Leben fließt durch meine Tränen.




Ich kannte einen Gärtner, der einem Zauberer gleich

seinen Garten pflegte.

Bunt war es dort, prachtvoll! Farben und Düfte durchströmten die Luft, zogen Bienen und manch anderes, teils seltenes, Getier, boten

ein Zuhaus.

Jahre hatte er gebraucht, voller Behutsamkeit und mancher Nacht, in der Schlaf hinter Gedanken zurücktrat.

Dann setzte er sich in seinen Garten, spürte ihn, lauschte und ließ die Worte in seinem Herzen

keimen.

Und aus einem dieser Keime wuchs eine Blume: so wunderschön, wie noch nie gesehen. Voll Freude griff der Gärtner sie, grub ein Loch, setzte sie ein, goss sie und sprach mit ihr.

Hegte.

Doch der Sommer schritt fort und der Gärtner musste kalten Auges sehen, dass diese Blume, diese wundervolle, liebliche Blume, sich als

Gift

entpuppte.

Sie wucherte, die drängte, sie veränderte ihre Gestalt. Stinkend, hässlich und voll triefender, klebriger Säfte tötete sie Farben, Gerüche, Bienen und

manch anderes, teils seltenes, Getier.

Gelähmt war der Gärtner, voll Entsetzen und Grauen erfüllt.

Doch als er entstarrte, nahm er sein Werkzeug - die Schere, die Schaufel, die Axt -, und er ging in den Garten und hackte und grub und schnitt.

Er zerstückelte und verbrannte bis tief in die Nacht.

Er sammelte die Asche in einem goldenen Kästchen.

Und dann

weinte er

so sehr.

Funken und Träume greift sich der Schmid

Amboss und Hammer singen sein Lied

Er tritt aus der Kammer

schaut in die Ferne

wirft in den Himmel

ein Meer neuer Sterne.

Da ist immer eine Tür

Diese eine Tür

Die, die du nicht öffnen darfst

Die mit dem Schild:

Betreten verboten

Strengstens verboten

Kehre um

Du bist des Todes!

 

Doch Mensch, der du bist

Ergreifst du dein Herz

Und den goldenen Schlüssel

Den, den dein Wächter dir gab

Als er das Haus verließ

Und sagte

Benutze ihn nicht

Benutze ihn ja nicht

Halt dich zurück

Du bist des Todes!

 

Und jetzt weichet,

Pythia, Teiresias, Kassandra!

Denn Mensch, der du bist

Der du wieder sein willst

Öffnest du die Tür

Und findest

Ein Meer voller Tränen

Ein blutendes Schlachtfeld

Zerfetzende Träume

Zorn.

Du tauchst

Du verbindest

Du flickst

Du umarmst

Und du stirbst.



Die Welt ist zu schwer. Zu klein bin ich sie zu stemmen: Und ich muss doch.

Ich muss, es geht nicht anders. In der Lebendigkeit, in der Verbundenheit mit dem Fühlen aller Welt … die Mauern eingerissen, die Betäubung aufgehoben, die Augen wieder geöffnet … gibt es kein Versteck. Alles ist da, alles strömt hinein, fließt hindurch, berührt.

Und hey – ich heiße es Willkommen, es ist doch so wunderschön, lebendig zu sein. Und ich spüre den sanften Hauch, die Gier, die Trauer; ich spüre die tausend Messer sich durch meine Eingeweide wühlen, den euphorischen Wellenbruch des Glücks, die Lähmung, das Sterben, die Zufriedenheit …

Wie schön dann, einen Menschen zu treffen, der in sich ruht, mit mildem Blick mich anschaut, lächelt, mir einen kurzen Funken Sicht schickt … von ihm kein Emotionenstrudel, nur Ruhe, Kraft, Gelassenheit.

Ichgewahr im Augenblick. Entspannung pur. Ein greifbares Ziel: So!

Alles im Gleichgewicht, alles in Balance für einen zauberhaften, kostbaren Moment …

fortgehuscht, der Beginn von vorn, bis zur nächsten Auferstehung.

Ah.

Frühlingsgefühle.

Wo war ich im letzten Jahr?

Einen anderen Gärtner kannte ich,

der lebte auf dem Lande inmitten blühender Gärten und fruchtbarer Felder.

Eines Tages jedoch beschloss er, an den Rand einer Stadt zu ziehen, dorthin, wo die Häuser grau waren und streng abgetrennte Rasenstücke das Bild bestimmten.

Ein Jahr lang bereitete er sich vor: Er sammelte Samen von jeder seiner Blumen.

Und als es soweit war, als er in sein kleines, graues Häuschen am Rande der Stadt einzog, zu seinem eigenen kleinen, quadratischen Rasen, da fühlte er sich sehr einsam, denn es war Winter.

Jeden Abend öffnete er die Schachtel, in der die Samen seiner Blumen lagen, zog ihren schwachen Duft ein, schloss die Augen und träumte sich zurück. Eine Träne mochte dabei aus seinem Auge gekrochen sein.

Oder auch zwei.

Doch im Frühjahr öffnete er seine Schachtel am Morgen. Tage zuvor bereits hatte er den Rasen gelockert, Erde zugeschüttet, hier und da

ein paar hartnäckige Disteln entfernt.

Er verstreute die Samen.

Er wartete.

Wartete auf Sonne, auf Regen, auf Wärme.

Und aus seinem kleinen, quadratischen Rasenstück wurde

eine blühende, duftende Oase inmitten des Graus.

Des Gärtners Herz war erfreut, doch auch seine Nachbarn kamen

immer öfter

herbei.

Sie staunten und ließen sich von ihm durch seinen Garten führen. Sie setzten sich mit ihm an einen Tisch. Und jedes Mal, wenn sie gingen, gab ihnen der Gärtner

eine kleine Tüte mit.

Darin lagen Samen.

Und im Laufe der Jahre trugen der Wind und die Tüten

Samen

von blühenden Blumen in alle Quadratrasenstücke der Stadt.

Schlussendlich, eines Tages, begannen die Menschen sogar damit, ihre Häuser

bunt anzustreichen.

Und Du sagst

Du seiest blind?

 

Du, der Du mich

sehend

machtest?

 

Dann guck halt

für eine Weile

aus meinen

Augen.

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